Fatigue Syndrom

Praxis-Sprechstunde Dr. Müller

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Prävalenz der Fatigue

Die Prävalenz (Häufigkeit des Auftretens) des chronischen Fatigue – Syndrom (CFS) liegt in der Gesamtbevölkerung bei etwa 0,2 bis 0,4%; das entspricht etwa 20 und 40 Fälle pro 10.000 Menschen. Allerdings variiert die Häufigkeit in den verschiedenen Studien sehr stark und reicht von 75 bis 2600 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner.

Während Frauen etwa 4 x häufiger an dieser Erkrankung leiden als Männer, erscheinen Kinder und Jugendliche deutlich seltener betroffen zu sein. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt langsam im Alter von 20 und 45 Jahren an und erreicht Ihren Gipfel in der dritten bis fünften Lebensdekade.

CFS scheint nicht zwischen den Rassen zu unterscheiden, es betrifft alle ethnischen Gruppen und wird gleichmäßig zwischen allen sozialen Schichten verteilt.

Vergleicht man die Auftretenswahrscheinlichkeit für CFS bei Frauen, die bei etwa 522 Erkrankten pro 100.000 Menschen liegt, mit der Häufigkeit anderer Erkrankungen, so wird die Bedeutung dieser speziellen Erkrankung deutlich. So liegen die Häufigkeiten für das Mammacarcinom (26 pro 100.000) oder das Bronchialcarcinom (33 pro 100.000), während die Auftretenswahrscheinlichkeit für Diabetes bei etwa 900 pro 100.000 Einwohner liegt.

  • Goldberg B, Editors of Alternative Medicine Digest. Chronic Fatigue, Fibromyalgia  & Environmental Illness. Future Medicine Publishing, Inc., Tiburon, CA ,1998; pp 190-211.
  • Lloyd AR, Wakefield D, Boughton C, Dwyer J. What is myalgic encephalomyelitis? Lancet  1988 Jun 4;1(8597):1286-1287.
  • Behan PO, Behan WMH, Bell EJ. The post viral fatigue syndrome.an analysis of findings in 50 cases. J Infect  1985;10:211-222.
  • Centers for Disease Control and Prevention: The Facts about Chronic Fatigue Syndrome. US Dept of Health and Human Services, Public Health Service, Centers for Disease Control Intervention, National Center for Infectious Diseases. Atlanta 1995.
  • Hyde BM, Bastien S, Jain A. Post-Infectious, Acute Onset M.E./CFS (Post-Viral Fatigue Syndrome). In: The Clinical and Scientific Basis of Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome; Editors: Hyde BM, Goldstein J, Levine P. The Nightingale Research Foundation, Ottawa 1992;Chp. 4:pp.25-36.
  • Chronic Fatigue Syndrome. U.S. Department of Health and Human Services, Public Health Service, U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC), National Center for Infectious Disease, Atlanta, GA, 1998 Oct.
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Symptome der Fatigue

Menschen mit chronischem Fatigue- Syndrom (CFS) können eine Vielzahl von Anzeichen und Symptomen haben, die kommen und oft ohne erkennbares Muster wieder gehen.

Primäre Anzeichen und Symptome

Zu den zentralen Symptomen zählen folgende Beschwerden :

  • Müdigkeit
  • Minderung der Gedächtnisleistung und der Konzentration
  • Halsschmerzen
  • Schmerzhafte und leicht vergrößerte Lymphknoten im Hals oder Achseln
  • Unerklärlichen Muskelschmerzen
  • Schmerzen, die wechseln von einem Gelenk zum anderen ohne Schwellung oder Rötung
  • Neu aufgetretene oder bisher nicht gekannte Kopfschmerz
  • Nicht erholsamer Schlaf
  • Extreme Erschöpfung, die nach körperlicher Belastung länger als 24 Stunden anhält.


Weitere Anzeichen und Symptome

Darüber hinaus berichten Menschen mit chronischen Erschöpfungssyndrom von verschiedenen anderen Anzeichen und Symptomen,

  • Allergien oder Empfindlichkeiten zu Lebensmitteln, Alkohol, Gerüche, Chemikalien, Medikamente oder Lärm
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Schmerzen in der Brust
  • Chronischer Husten
  • Durchfall
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Ohnmacht
  • Trockener Mund
  • Ohrenschmerzen
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Kieferschmerzen
  • Morgensteifigkeit
  • Übelkeit
  • Nachtschweiß
  • Psychische Probleme wie Depressionen, Reizbarkeit, Angststörungen und Panikattacken
  • Kurzatmigkeit
  • Kribbeln
  • Sehstörungen, wie Unschärfe, Lichtempfindlichkeit, Augenschmerzen und trockene Augen
  • Gewichtabnahme
 
Ursachen der Fatigue

Zu den möglichen Auslösern des chronischen Fatigue – Syndrom außerhalb einer Tumorerkrankung zählen folgende Faktoren beziehungsweise Erkrankungen.

  • Depression
  • Eisenmangelanämie
  • Erniedrigter Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie)
  • Allergie
  • Virus-Infektion, wie Epstein-Barr-Virus oder Herpesvirus 6
  • Funktionsstörungen des Immunsystems
  • Veränderungen der Werte der Hormone im Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren
  • chronisch niedrigen Blutdruck (Hypotonie) teilweise mit Ohnmachtsanfällen
  • Autoimmun-Prozess
  • virale Infektion kompliziert durch eine gestörte Immunantwort

Fatigue im Rahmen einer Tumorerkrankung

Bei Tumorerkrankungen werden immer wieder Symptome beobachtet, die als sogenannte B-Symptomatik zusammengefasst werden. Dazu gehören insbesondere Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Diese Symptome stehen häufig gleichzeitig mit einer Fatigue- Symptomatik auf. Unbestritten ist auch, dass eine chemo- oder strahlentherapeutische Behandlung sowie operative Eingriffe Fatigue und Erschöpfung bei Tumorpatienten verstärken. Dabei scheinen sowohl der krebszerstörenden Wirkung der Behandlung als auch der Ansammlung schädlicher oder giftiger Stoffwechselprodukte eine Rolle zuzukommen. Gerade nach einer Chemotherapie kann Fatigue allerdings auch länger anhalten. Auch die grippeähnlichen Nebenwirkungen einer Zytokinbehandlung mit Interferon oder Interleukin können Fatigue verstärken, ebenso wie wiederholte Infekte bei durch eine Behandlung immunschwachen Patienten. Neben der zytostatischen Behandlung spielt auch die Begleitmedikation mit Schmerzmitteln, Beruhigungs- oder Schlafmitteln oder auch mit Mitteln gegen Krampfanfälle, den Antikonvulsiva, eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Fatigue.
Die Verstärkung der Fatigue und Erschöpfung durch Schmerz, Übelkeit, Aufregung oder Atemnot ist mehrfach belegt. Dabei ist aber nicht klar, ob diese Symptome Auslöser einer Fatigue sind oder wie sie Ausdruck einer schweren fortgeschrittenen Tumorerkrankung. 
Der Einfluss von Mangelernährung, Gewichtsverlust und Bewegungsmangel und der damit in Verbindung stehende Abbau der Muskulatur wird als hoch eingeschätzt. Auch eine krankheitsbedingte Abnahme der Skelettmuskelmasse, wie sie bei Krebspatienten auftreten kann, trägt zu Fatigue bei.
Anämie gilt als eine der häufigsten Ursache der Fatigue, ausgelöst durch den Tumor selbst, durch eine Schädigung des Knochenmarkes durch Strahlen- oder Chemotherapie, oder einen Mangel an einem körpereigenen Wachstumsfaktor, der zur Bildung von Blut notwendig ist: dem Erythropoetin.

  • Chemotherapie

Während einer  Chemotherapie  treten Fatigue- Symptome je nach eingesetzten Medikamenten bei vielen Patienten auf.  In klinischen Studien zeigte sich, dass Fatigue-Symptome zur Verzögerung und zum Teil sogar zum Abbruch der Behandlung führen können. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass neue Chemotherapie-Anwendungen besser auf ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität hin untersucht werden. Gewöhnlich tritt Fatigue  einige Tage nach Beginn der Chemotherapie auf, dann lässt die Müdigkeit bis zum Beginn des nächsten Therapiezyklusses wieder nach.

  • Operation

Viele Tumorpatienten klagen bereits vor dem operativen Eingriff über Müdigkeit, als Anzeichen der Erkrankung und der Begleitumstände selbst. Dies muss bei der Beurteilung der durch den Eingriff ausgelösten Müdigkeit berücksichtigt werden. Sie ist im Durchschnitt zehn Tage nach größeren Operationen am stärksten ausgeprägt und fällt nach einem Monat etwa wieder auf das Niveau vor der Operation zurück. Gewöhnlich ist sie drei Monate nach einem erfolgreichen Eingriff nicht mehr festzustellen.

Zur Fatigue nach der Operation tragen unter anderem Blutverlust, Störungen des Haushaltes von Wasser und Salzen im Körper und ein beschleunigter Abbau von Körpereiweißen und Energiereserven  bei. Diese Veränderungen sind unabhängig von Krebs typisch für operative Eingriffe oder Verletzungen. Zudem können die Veränderungen der Herz-Kreislauf-Funktionen während der Operation, eine Verminderung der körpereigenen Wachstumsauslöser für die Produktion roter Blutkörperchen sowie ein Verlust an Muskelmasse wegen der postoperativen Bettlägerigkeit eine Fatigue hervorrufen oder erschweren.

  • Strahlentherapie

Nach einer  Strahlentherapie zeigen Patienten Symptome einer Fatigue in Abhängigkeit von der Größe des Körperareals, das bestrahlt wird. Wird sehr gezielt nur ein Tumorherd direkt bestrahlt, sind Nebenwirkungen meist wenig ausgeprägt. Zu Fatigue führen vor allem umfangreiche Bestrahlungen großer Teile des Körpers.
Ein Grund dafür liegt in der Zerstörung von blutbildenden Zellen im Knochenmark oder direkt in der Schädigung von roten Blutkörperchen, wodurch es wiederum zur Anämie und dadurch zu einer mangelnden Sauerstoffversorgung des Organismus kommt. Ein weiterer Grund ist vermutlich der hohe Energieaufwand, der körperlich nötig ist, um das durch Strahlen geschädigte Gewebe wieder aufzubauen und zu ersetzten. Wird der Magen-Darm-Bereich mit bestrahlt und sterben dort viele Zellen ab, gehen durch typische Nebenwirkungen wie Durchfall oder Blutungen zudem Eisen und Eiweiße verloren, was den Stoffwechsel zusätzlich belastet.
Stärker betroffen sind ältere Menschen. Ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium und die Anwendung kombinierter Strahlen- und Chemotherapien erhöhen das Risiko für ein längeres Anhalten der Schwäche. Charakteristisch ist die Zunahme der Müdigkeit mit jedem Behandlungszyklus; sie kann bis zu drei Monate über die Bestrahlung hinaus andauern.

  • Immuntherapie

Bei einer Immuntherapie, zum Beispiel mit Interferonen oder Interleukinen, wird das körpereigene Abwehrsystem der Patienten beansprucht. Grippeähnliche Nebenwirkungen können die Folge sein, mit auch dem Gesunden bekannten Symptomen wie Gliederschwere und Abgeschlagenheit. Die Immuntherapien zählen damit zu den Behandlungsformen, bei denen es zur ausgeprägtesten Fatigue kommen kann. Werden die Beschwerden für die betroffenen Patienten zu belastend, kann hier Fatigue sogar zu einer Therapieunterbrechung zwingen.

 
Komplikationen

Mögliche Komplikationen eines chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) sind:

  • Exogene Depression, zurück zu führen auf die Symptome bzw. das Fehlen einer klar gestellten Diagnose
  • Nebenwirkungen von Medikamenten im Zusammenhang mit der Behandlung
  • Nebenwirkungen bedingt durch die mangelnde Aktivität (Dekonditionierung)
  • Soziale Isolation
  • Einschränkung der Lebensabläufe
  • Verlust der Arbeit
 
Physische und emotionale Komponenten

Anzeichen für ein körperliches oder physisches Müdigkeitsempfinden sind reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, unübliches, vermehrtes Schlafbedürfnis, wobei der Schlaf häufig nicht zu einer ausreichenden Erholung führt und unübliches, vermehrtes Müdigkeitsgefühl auch tagsüber vorherrscht. Weiter beschreiben Betroffene oft ein Gefühl der Schwere.

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